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Newsletter #10: Warum die CeBIT tot ist

Revue
 
Am Dienstag ist es 33 Jahre her, dass die erste eigenständige CeBIT in Hannover ihre Tore öffnete. Si
 

Newsletter: Ein Gedanke, eine Mail

11. März · Ausgabe #10 · Im Browser ansehen
Mein Motto: Einfach machen. 🚀 Du erhältst von mir in diesem Newsletter Anmerkungen und Hinweise zu Bemerkenswertem in der digitalen Welt – aber fokussiert: ein Gedanke, eine Mail. Lieferrhythmus dann und wann.

Am Dienstag ist es 33 Jahre her, dass die erste eigenständige CeBIT in Hannover ihre Tore öffnete. Sie hat bis zu ihrem Ende 2018 vieles geschafft, nur offenbar eines nicht: die Unternehmen nachhaltig auf die Digitalisierung vorzubereiten. Ein Erlebnis an der Supermarktkasse in Lahnstein. 

Mein Lebensmittelmarkt hat mich digitalisiert. Ich scanne selbst. Nehme also die Laserpistole in die Hand und schieße damit direkt am Wurstregal auf die Pommersche Leberwurst. Das spart später an der Kasse den Scan der Wurst durch die Kassiererin. Dachte man. Dann machte es Globus unnötig kompliziert.
So gibt’s dank Sonderrabattaktion diesmal beim Globus-Supermarkt in Lahnstein in Rheinland-Pfalz:
  • 25 Prozent auf Sachen aus dem zweiten Stock,
  • 20 Prozent auf Haushaltswaren,
  • 15 Prozent auf Rasurprodukte.
Ich kaufe dennoch sparsam. Denn die Laserpistole weiß zwar meinen Namen und was ich kaufe, aber nicht den Rabatt: Abgerechnet wird zum Schluss, mein Lieber. An der Kasse. So habe ich zwar ständig eine genaue Summe der Ausgaben auf dem Display, aber irgendwas wird später abgezogen. Also lieber vorsichtig shoppen. Welch verwirrende, vermeintliche, kaufhemmende Transparenz.
Gelber Alarm
Der Automat an der Kasse schlägt an: Gelber Alarm! Zum Glück geht keine Star-Trek-Sirene. Die Maschine, dieser misstrauische Tropf, meint, mein Einkauf müsse überprüft werden.
Die Mitarbeiterin überprüft den Einkauf. Scannt fünf Lebensmittel. Alles okay. Ich will nicht wissen, wieviel Fehlbuchungen der Laden wegen der Scans einer Einzelflasche hohes-C an der Seite statt an dem plastikverschweißten Sechsergebinde oben erleidet.
Die Mitarbeiterin legt mir einen Gewinnspielcoupon in den Einkaufswagen. Ich bedanke mich und bezahle. Der Bon kommt aus dem Automaten. Bei den Rabatten habe ich einen kleinen Jackpot gewonnen. Am Bon hängt noch mehr: Ich gewinne zusätzlich zum Gewinnspielcoupon von der Kassiererin einen Gutschein für eine Überraschung. Also auf zum nächsten Automaten. Dort, neben der Kleiderboutique („20 Prozent Rabatt!“), tausche ich diesen Gutschein gegen meinen Gewinn: einen Zehnerriegel Himbeerextrakt. Große, naja, Freude.
Den Gewinnspielcoupon geöffnet. Es gibt noch mehr: Sie gewinnen 5 Euro und können zusätzlich am Online-Gewinnspiel teilnehmen, gehen Sie zur Information!
Ich gehe direkt auf Los, zur Information. Dort ist viel Los. Die Schlange dauert zehn Minuten. Die Dame sagt „Sie sind mein erster, wie schön!“ Sie möchte den Namen ihres ersten, ich gebe ihr zur Beschleunigung des Sachverhalts meine Visitenkarte. Sie verschwindet mitsamt Gewinnspielcoupon, Visitenkarte und Zugang zum Online-Gewinnspiel. 
Hat leider länger gedauert
Nach zehn Minuten kommt sie wieder, hat leider länger gedauert, weil: Keiner wusste, wie die fünf Euro zu verbuchen sind. Sie gibt mir als Ersatz für den gedruckten Fünf-Euro-Gutschein einen von Hand ausgefüllten Fünf-Euro-Gutschein; personalisiert durch einen weiteren Code; einzulösen beim nächsten Kauf; einzuscannen von der Kassiererin oder von mir; und den Zugang zum Online-Gewinnspiel.
Ich habe einen Lauf.
Zurück im Auto, tippe ich den Code ins Handy. Leider verloren. Aus Spaß mache ich im Code aus der 1 eine 2. Sie haben gewonnen! Einen Heizlüfter! Tippen Sie hier Ihre Daten ein! 
Ich tippe alles ein. Auf der Webseite, die alles von mir längst kennen könnte. Name. Adresse. Telefonnummer, E-Mail-Adresse. Das Geburtsdatum fehlt. Nachgetragen. Die E-Mail kommt prompt: Sie haben einen Heizlüfter gewonnen! Drucken Sie diese E-Mail aus, bringen sie sie. Beim nächsten Einkauf mitsamt dem Onlinecode in unseren Markt: in Erfurt-Linderbach. 
Keine 323 Kilometer entfernt. Dort, wo jemand demnächst einen Heizlüfter gewinnt und keine Gewinn-E-Mail ausdrucken kann, weil die ja schon nach Lahnstein ging.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Einzelhändler bei solchen Spielchen noch lange überlebt.
P.S.: Die CeBIT 2018 war die letzte in Deutschland. Sie wollte den Unternehmen Antworten auf Alltagsfragen der Digitalisierung geben. Kundenbindung, Personalisierung, virtuelle Freundschaft, vereinfachte Abläufe. Ich bin gespannt auf den ersten Supermarkt von Amazon, wenn er denn mal nach Deutschland kommt.
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