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Newsletter #3: Dunkel ist das neue Schwarz

Revue
 
Mein Gedanke: Wichtige Dienste und Apps tauchen das Layout ihrer Seiten vermehrt ins Dunkle. Dunkel i
 

Newsletter: Ein Gedanke, eine Mail

8. Oktober · Ausgabe #3 · Im Browser ansehen
Mein Motto: Einfach machen. 🚀 Du erhältst von mir in diesem Newsletter Anmerkungen und Hinweise zu Bemerkenswertem in der digitalen Welt – aber fokussiert: ein Gedanke, eine Mail. Lieferrhythmus dann und wann.

Mein Gedanke:
Wichtige Dienste und Apps tauchen das Layout ihrer Seiten vermehrt ins Dunkle. Dunkel ist das neue Schwarz. Das schafft allerdings auch neue Probleme.

Alles schick dunkel hier – bis auf die eine Mail, die Weiß als Hintergrund vorgibt.
Nicht erst seit macOS Mojave hält das Dunkle Einzug auf moderne Sichtgeräte. Apples jüngste Betriebssystem-Version zeigt einen Dunkelmodus, der das Geschehen auf dem Bildschirm in abgestufte dunkle Grautöne taucht. Auch Windows 10 bietet das Feature „Dark Mode“ an, ebenso Google News (wenn auch noch nicht auf iOS), Twitter, TikTok, YouTube, demnächst WhatsApp. Die Reddit-App nennt die entsprechende Einstellung Nachtmodus, und auf dem iPhone ist die neue Sicht der Dinge unter Einstellungen > Allgemein > Bedienungshilfen > Display-Anpassungen > Farben umkehren > „Umkehren – Intelligent“ einstellbar.
Aber warum?
„Mit dem dunklen Design werden alle hellen Oberflächen auf der Seite dunkel eingefärbt. Dies führt vor allem nachts zu mehr Nutzerfreundlichkeit“, erklärt YouTube. Und in der Tat strengt es die Augen weniger an, wenn das Helle weniger grell strahlt, oder wie es auf Reddit schon vor Jahren hieß:
Night is dark. Screen is bright. Eyes hurt.
Night is dark. Screen is dark. Eyes not hurt.
Besonders der Streaming-Dienst Netflix dürfte den Dunkelmodus populär gemacht haben, allen Süchtigen damit die Handhabung der App in der Nacht erleichtern – und mit Serien wie „Orange is the new Black" oder „Dark“ noch einen i-Punkt gesetzt haben.
Neue Probleme
Der Begriff „… is the new black“ stammt eigentlich aus der Modewelt, bezeichnet eine neue Farbe, die populär zu werden scheint und das hergebrachte Schwarz, das eigentlich immer getragen werden kann, vermeintlich ablöst.
Allerdings schafft der neue Dunkel-Modus auf Bildschirmen neue Probleme. Denn insbesondere im Apple-System ist die Darstellung nicht einfach invertiert, sondern „intelligent“ invertiert. Im Mail-Programm unter macOS zum Beispiel sind
  • die Postfächer in hellgrau auf mittelgrau dargestellt,
  • die Mail-AnreiĂźer in mittelgrau auf dunkelgrau und
  • die eigentliche Mail selbst in aller Regel in weiĂź auf schwarz, auĂźer der Absender hat diesen Hintergrund wie im Bild unten nicht vorgegeben
  • (während die MenĂĽs in mittelhelldunkelgrau auf etwas-heller-als-mittelhellhellgrau ausgeblendet wirken).
Kommst Du noch mit?
So abgestuft erscheint das Design auf dem Mac, auch wenn nicht mehr alles in der Mail gut lesbar ist.
… und leider erlaubt die von mir eingesetzte Newsletter-Software noch kein angepasstes Design.
Das Problem: Schickt jemand eine Mail in ausführlichster vorgegebener Gestaltung, wie zum Beispiel diesen Newsletter, erstrahlt sie plötzlich in hellstem Hell – im dunklen Umfeld ist das wie ein lichter Gruß aus der Hölle. Und hat man sich ans schicke Dunkel gewöhnt, ist die vermeintlich alte Darstellung in schwarz auf grellem Weiß so anstrengend wie eine Polizeirazzia beim Candlelight-Dinner.
Selbst Apple schafft es nicht
Apple selbst geht in seinen Human Interface Guidelines noch eine deutliche Spur tiefer, empfiehlt, weißen Hintergrund weicher zu gestalten, eine Technik namens „Desktop Tinting“ einzusetzen, um Hintergründe durchscheinen zu lassen. Sind die Programme und ihre Fenster auf diese Technik eingerichtet, erscheint die Darstellung tatsächlich wie aus einem Guss; nur: das sind sie eben alle noch nicht.
Und auch wenn die Apps nun nach und nach an das aufwendige neue dunkle Design angepasst werden: Irgendwo findet sich immer eine Mail oder Website, die im Lichte der neuen Dunkelheit Schwarz-auf-Weiß-Lichtverschmutzung betreibt. Nehmen wir nur die Google-Suchseite. Oder Apples eigene Seite der Human Interface Guidelines. Webseiten sind sehr häufig hell.
In der sogenannten Reader-Darstellung von Apples Safari-Browser lässt sich zwar auch die Human-Interfaces-Seite denkbar schick ins Dunkle tauchen, und ganz mutige stellen im Browser Safari diesen Lesemodus für jede weitere Seite ein (Safari > Einstellungen > Websites > Allgemein > Reader > Beim Besuch anderer Websites > Ein). Alternativ gibt es eine Dark-Mode-Erweiterung für den Safari-Browser und auch für Chrome. Standard ist das jedoch nicht.
Ja, Dunkel ist jetzt das neue Schwarz; WeiĂź aber ist das neue Grell. Und die Welt ist wieder etwas komplizierter.

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