Newsletter #5: Wie kraftvoll sich der Fitnessclub digitalisiert

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Newsletter: Ein Gedanke, eine Mail

28. Oktober · Ausgabe #5 · Im Browser ansehen

Mein Motto: Einfach machen. 🚀 Du erhĂ€ltst von mir in diesem Newsletter Anmerkungen und Hinweise zu Bemerkenswertem in der digitalen Welt – aber fokussiert: ein Gedanke, eine Mail. Lieferrhythmus dann und wann.


Im Fitnessclub haben sie jetzt die Digitalisierung eingefĂŒhrt. Also nicht einfach nur Touchbildschirme aufgestellt. Es ist alles viel grĂ¶ĂŸer, prozessiger, schwerer. Aber digital.

Foto: Arthur Edelman/Unsplash
Foto: Arthur Edelman/Unsplash
Wenn man sich nach einem Jahr in Berlin in Koblenz bei seinem Fitnessclub zurĂŒckmeldet, ist vieles anders. Allein die Preisgestaltung. FrĂŒher zahlte ich pauschal an die 60 Euro im Monat. FĂŒr das Geld erhielt ich Nutzungsmöglichkeiten fĂŒr
  • diverse GerĂ€tschaften,
  • kĂŒhles Sprudelwasser von der GetrĂ€nkebar,
  • TV-Unterhaltung samt anstöpselbarer Tonspur,
  • einen Spezialparcours mit sekundengenauer computergesteuerter Leistungsmessung und
  • einen Saunabesuch samt Aufguss vom Profi.
  • Und vieles mehr! Eine programmierbare wasserstrahlbasierte gummierte Massagebank ließ sich auch schon frĂŒher gegen Aufpreis nutzen. Die freundlichen Menschen am Empfang mussten sie dann ferngesteuert starten.
Jetzt zahle ich im Wochenendtarif 34,95 Euro beziehungsweise fĂŒr alle Tage der Woche 39,95 Euro pro Monat – fĂŒr diverse GerĂ€tschaften; ein oder zwei Euro pro Woche fĂŒr die Nutzung der GetrĂ€nkebar; 2,99 Euro pro Woche fĂŒr den Besuch im „Sauna- und Wellnessparadies“; und eine jĂ€hrliche VerwaltungsgebĂŒhr von 29,90 Euro. Hinzu kommt nach Auskunft vom Profi demnĂ€chst eine weitere wöchentliche GebĂŒhr fĂŒr die Nutzung des Spezialparcours mit sekundengenauer computergesteuerter Leistungsmessung. Mit meiner neuen Chipkarte kann ich den Parcours zurzeit noch „so“ nutzen, obwohl er im neuen Mitgliederbereich auf dem schicken Touchbildschirm noch gar nicht als gebucht vermerkt ist. Wöchentlich heißt dabei: nur monatlich kĂŒndbar, verstehe.
Die Unterschrift auf dem iPad
In der Summe zahle ich also wieder an die 60 Euro und noch etwas mehr, aber was tut man nicht alles. Unterschrieben wird der Vertrag ganz modern mit dem Zeigefinger auf einem iPad, die Krakelei meines Onboardingprozesses ist schneller als PDF an mich gemailt, als ich den einmalig kostenlosen Kaffee austrinken kann.
Überhaupt, die Bildschirme. Bei der ersten PrĂ€sentation des neuen Touchbildschirms im Foyer hielt der wackere Profi vom Club die Karte stets vor den Bildschirm statt vor dem großen eingekreisten X darunter, wischte mit wachsender Verzweiflung nach links und rechts, dass uns beiden schwindelig wurde. Gemeinsam wuppten wir die Herausforderung. Im Loginbereich tauchten dann fĂŒnf Euro auf, die auf der Karte als Guthaben gebucht seien, aber ach: Die GetrĂ€nkebar wusste davon nichts – egal ob man die Karte vors Display hielt oder aufs X legte, das in den Tisch eingelassen ist. Also gab mir der Profi auf seiner Karte ein Wasser aus. Die Sauna hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht gebucht, „Du kannst da so rein“, sagte mir der Profi.
Eine Woche spĂ€ter war das dann schon nicht mehr der Fall. Das neue Drehkreuz streikte. Ein scharfes LED-Rot verbot mir den Durchgang. Ängstlich suchte ich nach einer Kamera: Ob die mich dabei beobachteten, wenn ich elegant ĂŒbers Drehkreuz 
 Aber nein: Im knappen Saunamantel ohne Höschen wollte ich weder moralische noch sonstige Malaisen heraufbeschwören. Also fand ich mich in dieser Montur kurz darauf in der Lobby wieder, suchte dort am Tatschbildschirm den Loginbereich auf, buchte die Sauna. Klar, dass just in diesem Moment die frĂŒhere Kollegin auftauchte und ich in Badeschlappen sowie nicht viel darĂŒber erst eine kleine AusfĂŒhrung in Sachen beruflichem Werdegang und dann eine grĂ¶ĂŸere EinfĂŒhrung in den Loginbereich geben durfte.
Tatort Spinde
Die Woche darauf hatten sie wieder etwas Neues. Die Schrankspinde bekamen neue Schließmechanismen. Dunkel erinnerte ich mich: In der Lobby hatte ich an einem Dummy eine EinfĂŒhrung genossen, wie die Chipkarte davorzuhalten ist, um die TĂŒr zu schließen und zu öffnen. Aber ach: Irgendwie schien sich das Prozedere noch nicht bis in die MĂ€nnerumkleide herumgesprochen zu haben. Dort versperrten rot-weiße FlatterbĂ€nder weitlĂ€ufig den Tatort, komplette Reihen von Spinden waren geblockt. Der Profi leitete mich nach weiter hinten in der Umkleide. Dort waren ein paar wenige Spinde noch nicht umgerĂŒstet. Mit einer zweiten Karte und einem echten SchlĂŒssel ließ sich dort ganz herkömmlich analog das Schloss öffnen und verschließen. So braucht es dann also bis auf Weiteres zwei Karten und einen SchlĂŒssel zum Sporttreiben.
Noch nicht entschlĂŒsselt habe ich die programmierbare wasserstrahlbasierte gummierte Massagebank. Sie wurde jetzt ebenfalls mit einem ChipkartenlesegerĂ€t ausgestattet. Ein großes X markiert den Vorhaltebereich fĂŒr die Chipkarte. Der Moment, hier die Kurzfassung: Meine Karte funktioniert noch nicht, wahrscheinlich muss ich das erst buchen. Oder eine dritte Karte ausstellen lassen?
Jetzt mit Online-Account
ZurĂŒck zur Preisgestaltung: FĂŒr den ersten Monat wurden mir 104,25 Euro abgebucht. Neugierig geworden, suchte ich den Mitgliederbereich auf der Homepage des Clubs auf. Weil die Funktion „Online-Account einrichten“ stets mit einem Fehler endete, dauerte es leider drei Mails, zwei Screenshots und fĂŒnf Tage, bis der Zugang funktionierte. Parallel klĂ€rte die „Zentrale Mitgliederverwaltung“ immerhin per Mail ĂŒber die Zusammensetzung der immerhin dreistelligen Summe auf. An einer Stelle hatte man sich tatsĂ€chlich verrechnet, 3,51 Euro wurden mir gutgeschrieben. Ich Dummy hatte aber das 49,90 Euro teure „Startpaket“ mit dem Gesundheitscheck beim Trainer ĂŒbersehen.
Und die neue Chipkarte. Sowie die Sekunden spĂ€ter eintreffende Mail fĂŒr die Abgabe meiner Kundenzufriedenheitsbewertung. NatĂŒrlich habe ich geantwortet: mit einem Link auf diesen Text und der Aufforderung zum Beitritt – in meinen Mitgliederbereich.
Ich glaube allerdings nicht, dass dies Schule macht.
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